8. Februar 2012

I come with the Rain (Trần Anh Hùng) 7,70




Verstörend beginnt es: was nach einer Art Polizeiübung aussieht, ist eine höchst unangenehme, für den von Josh Hartnett verkörperten Cop höchst traumatische Szene, deren Konsequenz zunächst noch nicht absehbar ist…

Was man danach zu sehen bekommt, ist eine Art Noir-Film um einen abgewrackten Cop, in schäbig aussehenden DV-Bildern gedreht. Hartnett nimmt man diese Rolle, diesen eigenartig-düsteren Film nicht gleich ab, aber es ist doch ganz nett zu sehen, wie ein eher mainstreamiger Star in einem derart massenuntauglichen Projekt agiert.

Während die im Hintergrund schlummernde Rückblende um die traumatische Erfahrung mit einem verstörenden Serienkiller (die ärgsten Szenen des Films lassen "Seven" wie einen harmlosen Familienfilm wirken) richtig reinhaut, ist die gegenwärtig angesiedelte Geschichte um einen verschwundenen jungen Mann und eine Hure, die von einem ultrabrutalen Hübsch-Gangster entführt wird, auch mal etwas zäh. Gegen Ende offenbart sich dann plötzlich eine Jesus-Geschichte(!), die fast schon grenzalbern ist: doch Hung ist auch ein visionärer Regisseur und kratzt die Kurve: er scheut keine extremen, abstoßenden Szenen und bleibt zugleich ungemein poetisch.

Schon mit Filmen wie Der Duft der grünen Papaya und vor allem Cyclo konnte Hung faszinieren; in Cyclo war übrigens eine der stärksten Szenen mit Radioheads Creep unterlegt, und auch in diesem Film kommen Radiohead (gleich dreimal) zum Einsatz, dazu auch stimmungsvoller Postrock von Godspeed You Black Emperor und Explosions in the Sky: teilweise wirkt das auch etwas forciert, schadet der Sympathie aber auch nicht.


I come with the rain ist soghaft und faszinierend, und wenn auch der letztliche Clou vielleicht etwas zuviel ist, die düster-schäbige Neo-Noir Atmosphäre ist eindrucksvoll; diese Kreaturen, die der Serienkiller (Elias Koteas schwankt in seiner Paraderolle als Psychopath zwischen mördercreepy und halt auch ein bisschen übertrieben) aus den Leichen(teilen) bastelt, werden einem wohl nie mehr aus dem Kopf gehen.

Es ist bewundernswert, wie arg der Film teilweise ist; daher auch nichts für die meisten, im Endeffekt auch nicht ganz so genial wie es sich zwischendurch anfühlt, aber ein trotz Schwächen und einer gewissen „B-Stimmung“ traumhaft eigenes Werk.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen