29. November 2010

O Estranho Caso de Angélica (Manoel de Oliveira) 6,73




Eine betörende Frau, die einen Mann so dermaßen in ihren Bann zieht, dass sein Leben völlig aus den Fugen gerät und er offensichtlich ins physische und soziale Verderben gestürzt wird - doch ist nicht das Wichtigste im Leben ohnehin die Liebe?

Eine derartige Beschreibung von de Oliveiras neuem Film hört sich ja genauso wie sein letzter Film an! Und wieder wird der arme männliche Tor vom selben Schauspieler (Ricardo Trépa) verkörpert! Doch es gibt natürlich auch Unterschiede. Der bedeutendste und nicht gerade unerhebliche: Die verführerische Schönheit ist hier bereits zu Beginn des Films mausetot! Minutenlang liegt sie aufgebahrt da, ihr bizarr strahlendes Lächeln wird vom tragischen Helden (ein Profi-Fotograf) und der Filmkamera beleuchtet. Was ist hier los? Wie kann diese Tote die zentrale Figur einer Liebesgeschichte sein? Schlägt sie gar wieder die Augen auf?

de Oliveira spielt in diesem sich mehr als unsterblich verlieben-Drama öfter mit den Erwartungen des Zuschauers, dreht einen Film auch über das Medium selbst, über filmische und fotografische Manipulationen, und ähnlichem. Auch die zeitliche Einbettung der Geschichte ist für den Betrachter lange schwierig herzustellen, irgendwann lässt sich zwar schon die Gegenwart ausmachen, aber dennoch ist es eine höchst altmodische Welt, auch in dieser Ansicht also wiederum eine starke Ähnlichkeit zum Vorgänger.

Leider wird aber die Klasse dieser Eigenheiten einer jungen Blondine, einem absoluten Ausnahmewerk, vom Folgefilm nicht erreicht. Der seltsame Fall der Angelica ist ein schön schauer-romantisches Stück Film, und es wird auch nicht allzu oft vorkommen, dass ein über 100-jähriger Regisseur zum ersten Mal in seiner Karriere noch Computereffekte integriert (und dann noch auf so entspannt altmodische Weise). Dennoch vermag es dem Portugiesen mit seinem 30. Langspielfilm schlußendlich nicht gelingen, echte Begeisterung aufkommen zu lassen. Es ist eher so, als sähe man im Kino des 21. Jahrhunderts einen sehr alten Film, der frühere Generationen einmal sanft unterhalten hat. Das vermag er zwar auch noch heute, aber viel mehr ist da leider nicht.

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